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1. Sportclub Gröbenzell e.V.
05 Jul2018

Das fünfte internationale Handicap-Fußballturnier des BV Weckhoven

AFC Bournemouth aus England bezwang den BV Weckhoven mit 4:0

Natürlich durfte auf der schmucken Anlage an der Karl-Goerdeler-Straße auch kräftig gejubelt werden, schließlich ging es in Weckhoven um den sportlichen Lorbeer für intensiven Einsatz. Bei brütender Hitze holte sich Stammgast FC Oda aus dem limburgischen Weert in den Niederlanden den Turniersieg in der Altersklasse U16, bei den älteren Kickern (Ü16) gewann der TuB Mussum aus Bocholt.

Doch wirklich wichtig war das eigentlich schon Sekunden nach der Siegerehrung mit Bürgermeister Reiner Breuer nicht mehr. Eine erfolgreiche  Inklusionsarbeit wird anders gemessen. Wenn Menschen mit Autismus, Asperger-Syndrom, implantierten Hörgeräten, Trisomie 21 (Down-Syndrom) oder angeborenen Fehlbildungen gemeinsam mit Fußballern ohne Behinderung ein funktionierendes Team bilden, zählt das mehr als jedes Tor. Hans Leusch, einer von vier Trainern bei den „BV Handicaps“, macht daraus indes keine Wissenschaft. Für ihn sind die Übergänge ohnehin fließend. „Letztlich kann doch eh keiner sagen, wo genau ein Handicap anfängt.“ Inklusion bedeutet für ihn in erster Linie Leidenschaft, Empathie und unendliche Geduld. „Die Jungs und Mädchen müssen immer in Bewegung blieben, sonst verlierst du sie. Du musst als Trainer darauf gefasst sein, dass du alles immer und immer wieder wiederholen musst. Wenn deine Spieler den Platz verlassen, haben sie alles vergessen.“

Und trotzdem liebt der Coach, der seine Brötchen als Fliesenleger verdient, seinen ehrenamtlichen Job. „Weil hier im Verein und unter den Eltern eine riesiger Zusammenhalt herrscht. Jeder hilft dem anderen.“ Auf diese Weise hat sich das Turnier, aber auch der BV Weckhoven eine Art Alleinstellungsmerkmal in Deutschland gesichert. Nur so ist die von Katja Thinius geleitete Inklusionsabteilung mit ihren 50 Aktiven in der Lage, mehrtägige Touren in die Schweiz oder an die Nordsee zu organisieren. Die Kosten in Höhe von 5000 Euro tragen Sponsoren und der Verein mit den Einnahmen seines internationalen Fußballturniers. Und es ginge sogar noch mehr, fügt Katja Thinus an: „Würden wir zu allen Turnieren fahren, zu denen wir eingeladen werden, kämen wir auf 3600 Reisekilometer.“

Der nimmermüde Einsatz hat inzwischen ein dichtes Netzwerk von Freunden produziert. So verstärkte Frank Meyer, in Weckhoven mit dem SC Gröbenzell aus Oberbayern zu Gast, spontan die von dem der Veranstaltung seit der Premiere verbundenen Karl-Keinz Kobus gemanagten Schiedsrichtergilde. Das Fazit des für die SRG Ammersee/Fürstenfeldbruck  tätigen Unparteiischen: „Das Verhalten der Spieler und ihr fairer Umgang miteinander hat mich beeindruckt. Ich hatte hier Spiele, die musste ich nicht einmal wegen eines absichtlichen Foulspiels unterbrechen. Das würde ich mir häufiger wünschen.“